Legionellen

   
Legionella pneumoEscherichia coli phila  
   

Namensgebung
1976 trafen sich Mitglieder der US-American-Legion in einem Großhotel in Philadelphia. Von den über 4000 Teilnehmern erkrankten ca. 220 Personen, von denen 34 an einer Lungenentzündung rätselhafter Ursache verstarben. Es wurde einige Zeit benötigt um die Ursache zu ermitteln. Es handelte sich um ein Bakterium, welches den Namen "Legionella pneumophila" erhielt.

Dieses bildete eine neue Gattung (Legionella) und eine neue Familie (Legionellaceae) in der bakteriologischen Systematik. Weil die Epidemie von 1976 im Zusammenhang mit der US-American-Legion stand, erhielt die Krankheit den Namen "Legionärskrankheit ". Dies hat in Europa dazu geführt, daß der Erkrankung durch diesen Namen bis heute ein exotischer Touch anhaftet und das auftreten der Erkrankung für unsere Breiten damit noch oft verdrängt wird. Heute weiß man, dass es neben der Legionärskrankheit, besser als Legionella-Pneumonie* bezeichnet, eine signifikant unterschiedene andere Verlaufsform gibt, das Pontiac-Fieber* Die Legionella-Pneumonie* ist eine schwere Krankheit mit z.T. erheblicher Beteiligung anderer Organsysteme. Dagegen verläuft das Ponitac-Fieber* (benannt nach dem Ort der ersten Epidemie) milder, fiebrig, grippeähnlich, ohne daß Todesfälle bekannt wurden.

 

*(Legionella - Pneumonie (Legionärskrankheit), schwere Pneumonie mit. Beteiligung anderer Organsysteme Inkubationszeit 2 - 13 Tage, Therapie erforderlich , relativ hohe Letalität, epidem)

*(Pontiac - Fieber, Inkubationszeit bis 48 Stunden, meist ohne Lungenbeteiligung , spontane Heilung binnen weniger Tage , Todesfälle nicht bekannt )
(WaBoLu / BGA)

 

Bakterien:

  • ca. 35 verschiede Arten (+ 50 Serogruppen.)

  • davon mindestens 17 "humanpathogen"

  • etwa 80 % aller Infektionen verursacht durch Legionella pneumophila ( ca. 50 % der Serogruppe 1 dieser Art)

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien ohne besondere morphologische Charakteristika. Sie bilden in der Kultur auf Spezialnährboden weiße, relativ unspezifische Kolonien, die nach minimal drei Tagen Bebrütungsdauer auftreten. In der Immunfluoreszenz erkennt man sehr gut die erwähnte Stäbchenform der Erreger. Seit der Erstbeschreibung von L.pneumophila gibt es noch mindestens 28 weitere Arten z.T. mit mehreren Serogruppen. L.pneumophila ist nach wie vor die epidemiologisch wichtigste Art. Wichtig ist weiterhin , daß alle Legionellen als humanpathogen anzusehen sind, obwohl der Beweis dafür bei mehreren Arten noch aussteht. Man geht heute auf Grund weltweiter Untersuchungen davon aus, daß Legionellen ein ganz natürlicher Bestandteil aller Süßwasser, nicht aber der Meerwässer sind. Legionellen sind dabei im Grundwasser extrem selten. Auch im kalten Trinkwasser , wenn es denn ständig kalt bleibt, sind sie sehr selten. Ähnliches gilt für unserere Breiten bei den Oberflächenwässern. Schwimmbeckenwässer, besonders Warmsprudelbeckenwässer und bestimmte Wässer aus raumlufttechnischen Anlagen (Wässer aus offenen Rückkühlwerken und Luftbefeuchtern) können dagegen in wesentlich höheren Konzentrationen Legionellen enthalten. Übertragbar sind Infektionen , z. B. durch Duschen und Warmsprudelbecken (whirl-pools). Bei den üblichen Schwimmbecken kommen zwar Legionellen im Wasser gelegentlich vor, aber - worauf noch eingegangen wird - das Vehikel Aerosol, ist dort minder stark ausgeprägt. Die hydrotherapeutischen Einrichtungen mit Aerosolbildung sollte man dagegen nicht vergessen. Desgleichen nicht den Bereich der Dentaleinheiten, wo ein intensives Aerosol unmittelbar im Rachenraum entstehen kann.

 

Das Bild zeigt eine lichtmikroskopische Abbildung einer gerade platzenden Amöbe (Acanthamöba sp.) die eine riesige Zahl schnell beweglicher Legionellen freisetzt

 

Die Krankheit(en):
Grundsätzlich kann jeder Mensch an der Legionärskrankheit erkranken. Einem erhötem Risiko sind Personen mit einer Störung des Abwehrmechanismus ausgesetzt. Zum Beispiel ältere Personen, frisch Operierte, Krebspatienten, usw... . Auch erhöht sich das Risiko enorm für Raucher durch die Beeinträchtigung der Lungenmakrophagen. Generell sind Männer gegenüber Frauen einem 3fach erhöhtem Risiko ausgesetzt.

Voraussetzung:
Lungengängige Aerosole (<5 µm) z.B. beim Duschen, in Luftsprudelbecken (Whirl-Pools), Schwimmbädern...


Zwei Verlaufsformen:

Pontiac-Fieber -> "gutartig" klingt nach wenigen Tagen wieder ab grippeähnlich/ fiebrige Erkältung mit Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerz Inkubationszeit ca. 3 Tage, Infektionsität 95%

Legionärskrankheit -> "akute, schwere bakterielle Lungenentzündung" beginnt mit hohem Fieber/ Schüttelfrost. Weitere Symptome: Übelkeit, Durchfall, trockener, unproduktiver Husten, relative Herzschlag- Verlangsamung, muskelschmerz, Verwirrtheitszustände, Lethargie und Störung der Bewegungs- Koordination (torkeln) Inkubationszeit ca. 2- 10 Tage, Infektiosität 5 %; Todesfälle ca. 15- 20 %
Legionelleninfektionen sind schwer zu diagnostizieren ( nur in Frühphase vor Antibiotika !) Größenordnung: sichtbare und unbemerkte Legionellosen: ca. 1% der Bevölkerung pro Jahr (800.000 Personen in der BRD!; 80 000 grippeähnlich leichte Infektionen/ 9000 schwere Lungenentzündungen / 1200- 1500 Tote!)

Vorkommen:
Von Natur aus in wäßrigen "Süßwasser" Milieu (Flüsse, Seen, feuchte Erde; auch im Grundwasser! Auch schon in sehr geringen Konzentrationen gesundheitsschädlich!
Hohe Konzentrationen in technischen Anlagen! z. B. in Warmwasserbereitern oder raumlufttechnischen Anlagen.

Vermehrung:
Legionellen vermehren sich im Temperaturbereich 30 °C bis 45 °C. Optimal ist der Temperaturbereich zwischen 35 °C und 42° C (Duschtemperatur). Innerhalb dieses Temperaturbereichs herrschen Verdopplungszeiten von ca. 2,8 h- 3,9 h.
Beispiel: Als kontaminiert mit Sanierungsgebot gilt 1 KBE/ml (Koloniebildende Einheit). Dies gilt noch als geringes Infektionsrisiko. Ab 100 KBE/ml ist ein Infektionsrisiko anzunehmen.
Die Wachstumsrate bei 2,8 h beträgt 24,76 %
Nach 24 h ergeben sich 381 KBE/ml nach 3 Tagen 55,24 Millionen KBE/ml.

Vermehrung wird begünstigt durch:

  • den Biofilm z.B. an Leitungs "innen" oberflächen, Sedimentbildung

  • Gehalt an organischen Substanzen

  • Amöben

  • mineralische Inhaltsstoffe ( Ablagerungen -> Schlupfwinkel bei Desinfektion)

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